Kissin‘ Black – Heart Over Head Review

Raue Klänge aus der Schweiz für düstere Momente voller Lichtblicke

 

Lass dich von Kissin‘ Black mit ihrem Debütalbum „Heart Over Head“ auf sanfte Weise in eine dunkle Welt des melodischen Akustik-Rocks entführen. Augen zu und gemütlich machen.

Vor mir liegt eine geheimnisvoll anmutende CD-Hülle, während der Raum um mich herum bereits mit stimmungsvollen Klängen erfüllt wird. Kissin‘ Black hat es nach knapp zehn Monaten nach der Veröffentlichung ihres ersten Werkes nun auch in mein Wohnzimmer geschafft. Das Album Cover lässt zunächst nur wage Vermutungen zu, was in den nächsten Stunden des wiederholten Anhörens der Lieder auf mich zukommen wird. Was verbirgt sich hinter dem Schwarzen, Unbekannten? Ich lehne mich zurück, denke an das Heimatland der vier Bandmitglieder und muss auch bei erneuter, genauerer Betrachtung des Covers feststellen, dass die Aufmachung dieses Tonträgers doch recht wenig mit der klischeehaften Schweizer Heidi-Idylle gemein hat.

Im Kontrast dazu präsentiert sich die Gruppe mit den zum Teil italienischen Wurzeln nämlich gänzlich in der gemeinsam auserkorenen Lieblingsfarbe Schwarz. Dieser ersten Annäherung bezüglich Band- und CD-Aufmachung zufolge könnte man musikalisch durchaus etwas Lautes, Böses erwarten. Drückt man allerdings auf Play, schmettern einem weder die metallischen Klänge von E-Gitarren noch krächzendes Gebrüll entgegen. Kissin‘ Black setzen stattdessen gekonnt auf Akustik gepaart mit der tiefen Stimme von Sänger Giuseppe Mastrogiacomo, die unter die Haut geht und sich wunderbar in das schwermütige und düstere Gesamtkonzept einfügt. Nur selten scheinen die Emotionen des Sängers so richtig überzukochen, was seiner sonst so beruhigenden und klaren Stimme an manchen Stellen einen rauen Nachdruck verleiht.

Generell verbreiten die Songs eine sehr melancholische Stimmung, schaffen es im Großen und Ganzen aber trotz des Akustik-Aspekts, rockig und auf ihre ganz spezielle Art und Weise hart zu klingen. Durch den eigenwilligen Sound zwischen Blues, Goth, Country und Rock kann ich mir durchaus vorstellen, dass die eingängigen Lieder eine vielfältige Zuhörerschaft ansprechen können, womit Kissin‘ Black es schaffen, die Grenzen zwischen AnhängerInnen der einzelnen Genres aufzuweichen. Um noch kurz auf die Texte einzugehen: Diese sind tatsächlich auffallend schlicht gehalten und sorgen besonders bei Liedern wie „Ella-Marline“ oder „Marrakech“ dafür, dass man die Melodie so schnell nicht wieder aus den Ohren bekommt. Vielleicht ertappt man sich sogar auch noch am nächsten Tag dabei, still und heimlich den Refrain vor sich hinzusummen, während man die Stirn dramatisch in Falten legt, um dem in den Liedern vermittelten Herzschmerz gerecht zu werden.

Fazit: Für das nächste Werk von Kissin‘ Black würde ich mir vielleicht noch etwas ausgereiftere Melodien und ein bisschen mehr Dynamik im gesamten Album wünschen, hoffe aber genauso, dass die Band dabei ihrem besonderen Stil treu bleiben kann. Alles in allem ergibt sich für mich daher auf jeden Fall  ein hörenswertes Album, welches alle Personen, die sich voll und ganz dieser derben aber dennoch ruhigen Atmosphäre hingeben möchten, in eine samtig weiche, schwere schwarze Decke hüllt.

 


Ilka

Wäre mein Leben ein typischer und damit völlig realitätsferner, überspitzter und von wahnwitzigen Wunschvorstellungen geprägter Film, dann würde folgendes Szenario die Eröffnungsszene darstellen: Ilka sitzt mit einer Tasse Minztee und Brownies auf ihrer Terrasse an der irischen Westküste, umgeben vom weiten wilden Meer und weniger wilden Schafen. Plötzlich biegt ihre kleine getigerte Katze um die Ecke, schnurrt wie verrückt und erzählt von ihren Abenteuern mit den Eichhörnchen im Wald. Zur irischen Meeresbrise und dem idyllischen Rauschen der Wellen mischen sich die zerberstenden Klänge einer beliebigen Alternative Metal Band, damit das alles nicht ganz so kitschig ist … to be continued … Zusammenfassend lässt sich also festhalten: Ja, ich bin eine ruheliebende Person und ja, ich mag harte Musik. Ich bin quasi der Beweis dafür, dass Ruhe und Lautstärke einander nicht ausschließen müssen, sondern wunderbar miteinander vereinbar sind. Kontrovers? Vielleicht. Achja, und falls irgendwer irgendwen kennt, der bereit ist, obige Filmidee umzusetzen – bitte melden, ich buch schon mal den Flug! ;)

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