Ghost im Grazer Orpheum Konzerte / Review

Papa Emeritus III und seine fünf Nameless Ghouls der schwedischen Band Ghost luden gestern zur satanistischen Zeremonie ins Grazer Orpheum.

 

Ehrlichgesagt weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll, denn wer gestern Abend nicht selbst an diesem schaurig schönen Spektakel teilgenommen hat, wird diese einmalige Konzerterfahrung wohl nur schwer nachempfinden können. Ich spreche hier ganz bewusst von einer Konzerterfahrung, da diese Show vergebens ihresgleichen sucht. Wer Ghost live vor sich stehen hat, ist nicht nur auf einem Konzert. Es ist viel mehr, als würde man in eine ganz eigene Welt eintauchen. Und so düster alles auf den ersten Blick erscheint – ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal auf einem Heavy Metal Konzert war, an dem sich so viel positive Energie im Raum ausbreitete.

Um in den vollen Genuss ihres Rituals, wie die Band ihre Auftritte gerne selbst bezeichnet, zu kommen, empfiehlt es sich, sich schon eine Weile vor dem offiziellen Beginn am Abhaltungsort einzufinden. Pünktlich eine halbe Stunde bevor Ghost die Bühne betritt, wird das Publikum in sanfte Klavierklänge gehüllt. Kurze Zeit später legen sich die Töne eines Kirchenchors wie eine schweres Tuch über den immer voller werdenden Raum und bereiten uns auf die bevorstehende Messe vor. Eine ungewöhnliche Stimmung liegt in der Luft. Zum einen ist da dieser andächtige Chor, dessen Klängen man normalerweise eher stillschweigend lauscht und zum anderen herrscht reges und durchaus lautes Stimmengewirr seitens der BesucherInnen. Zwei so unterschiedliche Eindrücke, die mein Gehirn erst einmal zusammenbringen muss.

Schließlich verstummt der Chorgesang und die Menge rundherum wird parallel dazu immer lauter. Die erwartungsvolle Anspannung nimmt in Form von spitzen Jubelschreien Gestalt an. Finsternis paart sich mit plötzlicher Stille. Die Zeremonie kann beginnen. Die Scheinwerfer auf der Bühne tauchen den gesamten Raum in blutrotes Licht, bevor einzelne Spots die Ghouls mit ihren silbernen Teufelsmasken nacheinander in Erscheinung treten lassen. Inmitten der in schwarze Kostüme gehüllten Musiker taucht schließlich auch der Hauptakteur des Abends auf und zieht sofort alle Blicke auf sich. Da steht er nun also: Papa Emeritus III höchstpersönlich, gehüllt in seinen schweren, bodenlangen Mantel und gekrönt von einer pompösen Mitra. Direkt hinter der stufenartig aufgebauten Bühne erstreckt sich ein gigantisches Bild eines bemalten Kirchenfensters, welches das Szenario perfekt umrahmt. Musikalisch wird das Konzert gleich eröffnet wie „Meliora“, das aktuelle Album von Ghost, nämlich mit „Spirit“, gefolgt von „From The Pinnacle To The Pit“. Während Papa Emeritus bedächtig über die Bühne schreitet und die ersten Lieder so festlich durch die Lautsprecher hallen, als würde ein ganzes Orchester vor uns stehen, gibt es im Publikum von der ersten Sekunde kein Halten mehr. Es ist, als hätte jemand einen imaginären Schalter schlagartig auf „on“ gestellt – alle sind einfach auf der Stelle in den Bann gezogen und lassen sich mitreißen.

Als wäre die ganze Aufmachung noch nicht aufwendig genug, schafft es Ghost, den roten Faden der Zeremonie weiterzuspinnen, indem der singende dunkle Papst auf eine ganz besonders okkulte Weise die Konzerthalle mit Weihrauch einweiht. Während der Instrumentalnummer „Devil Church“ zieht sich der Zeremonienleiter kurz zurück, um anschließend in neuem Kostüm wiederzukehren. Diesmal ohne Mantel, aber selbstverständlich immer noch maskiert. Die gesamte Bühnenshow ist der Wahnsinn. Mir fehlen die Worte. Alles ist von vorne bis hinten durchkonzipiert, nichts wird dem Zufall überlassen und jeder weiß, wann er wo hingehen oder stehen muss. Zum Beispiel auch bei der Akustiknummer „If You Have Ghosts“: Der Sänger ganz vorne und in der zweiten Reihe drei Ghouls, sitzend und an den Gitarren. Die Ghouls hinter dem auf der Erhöhung stehenden Schlagzeug und dem Keybord verschwinden während dieser Nummer kurz. Links und rechts von dieser Formation befinden sich zwei große Kerzenständer, die diese Aufmachung abrunden.

Doch auch, wenn alles so bombastisch und perfekt bis aufs letzte Detail ausgeklügelt rüberkommt, wirkt die Inszenierung so wahnsinnig leichtgängig und fast schon bescheiden. Ghost hat gleichzeitig so eine unglaublich präsente und trotzdem auf ihre ganz eigene Weise zurückhaltende Wirkung, der man sich einfach hingeben muss. Zudem ist es wirklich erstaunlich, wie dieser Sänger die Masse in den Bann zieht. Er hebt feierlich seine mit weißen Handschuhen bekleideten Hände und schon hat er das Publikum im Griff wie ein Dirigent seine Kapelle. An dieser Stelle muss ich auch mein ausdrückliches Lob an die Crowd ausdrücken. Was da vom Publikum zurückkommt ist der Hammer. Die von der Band kommende Energie wird durch die Menge noch einmal um ein Vielfaches gesteigert und erfüllt den Raum mit mitreißender Euphorie.

Zwischen den einzelnen Lieder nutzt Papa Emeritus immer wieder die Gelegenheit, kurze Geschichten über die Ghouls und die Lieder zu erzählen. Alles in gewohnt ruhiger, gelassener Manier – ich kann mir vorstellen, dass der Papst der katholischen Kirche schon durchaus energischer wurde bei seinen Ansprachen. Dieser geheimnisvolle Mann auf der Bühne strotzt trotz seines düsteren Erscheinungsbildes einfach nur so vor Charisma und Charme, dass es gar nicht notwendig ist, die Leute rundherum anzubrüllen, um Stimmung zu erzeugen.

Um dieses Konzert zusammenfassend mit nur einem Wort zu beschreiben: Faszinierend. Schlicht und einfach faszinierend. Ich kann nur jedem Musikbegeisterten raten, sich eine Show von Ghost anzusehen. Das ist wirklich ein einmaliges Erlebnis.

Auf Instagram hat die Band direkt nach dem Konzert noch einen kurzen Ausschnitt aus dem Orpheum hochgeladen, was die unglaubliche Stimmung im Raum verdeutlicht: Instagramseite von Ghost.

 

 

Bildquelle: loudwire.com


Ilka

Wäre mein Leben ein typischer und damit völlig realitätsferner, überspitzter und von wahnwitzigen Wunschvorstellungen geprägter Film, dann würde folgendes Szenario die Eröffnungsszene darstellen: Ilka sitzt mit einer Tasse Minztee und Brownies auf ihrer Terrasse an der irischen Westküste, umgeben vom weiten wilden Meer und weniger wilden Schafen. Plötzlich biegt ihre kleine getigerte Katze um die Ecke, schnurrt wie verrückt und erzählt von ihren Abenteuern mit den Eichhörnchen im Wald. Zur irischen Meeresbrise und dem idyllischen Rauschen der Wellen mischen sich die zerberstenden Klänge einer beliebigen Alternative Metal Band, damit das alles nicht ganz so kitschig ist … to be continued … Zusammenfassend lässt sich also festhalten: Ja, ich bin eine ruheliebende Person und ja, ich mag harte Musik. Ich bin quasi der Beweis dafür, dass Ruhe und Lautstärke einander nicht ausschließen müssen, sondern wunderbar miteinander vereinbar sind. Kontrovers? Vielleicht. Achja, und falls irgendwer irgendwen kennt, der bereit ist, obige Filmidee umzusetzen – bitte melden, ich buch schon mal den Flug! ;)

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