Gnackwatschn – Im Talon CDs / Review

Bitte, Danke, Wiederschaun!

 

Unverfälscht und mitreißend wie eh und je – mit ihrem neuen Album „Im Talon“ beweisen die sechs Steirer von Gnackwatschn auf ein Neues, dass die Kombination aus steirischem Liedgut und Ska-Punk einfach großartig ist.

 

Ich leg die CD ein, drück auf Play. Los geht’s. Während ich zuvor noch so müde war, dass es fast schon an ein Wunder grenzt, wie ich überhaupt den Weg vom Bett zur Anlage geschafft habe, werde ich nun langsam wach. Gute Laune macht sich breit in meinem Wohnzimmer und schiebt den morgendlichen Groll zur Seite. Als ich mir mein Frühstück zubereite, wippe ich schon ganz von alleine zum fetzigen Rhythmus und von da an gibt es für mich kein Zurück mehr: Ich muss einfach lauter drehen. Der Tag ist gerettet. So rasch, wie die Lieder mich den grauen Alltag vergessen ließen, so schnell war das Album gefühlsmäßig auch schon wieder um und das meine ich keinesfalls negativ. Durch das treibende Tempo, welches in den meisten Nummern vorherrscht, und Textzeilen, die sich sofort im Kopf verankern, kommt „Im Talon“ unglaublich kurzweilig daher. Also bleibt mir nur eines übrig: CD wieder von vorne starten.

Das erste Lied trägt den gleichen Namen wie das Album selbst und die erste Textzeile kann man hier ruhig wörtlich nehmen, denn „do schlogt da Blitz ein“! Weiter geht es mit dem Song „He Muhla“, welcher die Zuhörerschaft textlich aufrütteln will und eine klare Botschaft vermittelt: Nämlich, dass es wichtig ist, auch selbst einmal aufzustehen, um die eigene Meinung in die Welt zu posaunen und damit ein Zeichen zu setzen.

Rauch in der Luft und Staub auf da Stroßn und Feia im Herz. Heit setzt a Zeichn und schreist so laut du kannst, bis di wer hert! („He Muhla“ – Gnackwatschn, Im Talon)

Mit „Koita Wind“, „Schwoaz Weiß“  und „Weiße Tintn“ zeigen sich Gnackwatschn vergleichsweise eher  von ihrer ruhigeren, nachdenklicheren Seite. Gemeinsam mit den lebendigen, vorantreibenden Stücken in der Mitte des Albums erhält das Album eine sehr angenehme Dynamik. Abschließend wird mit dem Titel „Fegefeia“ noch einmal so richtig eingeheizt, wie der Name ja bereits vermuten lässt.

Auch wenn Gnackwatschn ihrem auf dem Erstlingswerk präsentierten Stil treu geblieben sind, ist den Steirern mit „Im Talon“ ein noch ausgereifteres Werk gelungen. Nach wie vor fügen sich Blasinstrumente, die Steirische Harmonika und Mundartvocals in das Genre des Ska-Punks ein, auch wenn auf diesem Album die Tendenz eher in Richtung Ska-Punk geht. Entstanden ist „Im Talon“ übrigens bei dem einen oder anderen obligatorischen Bier in einer abgelegenen Hütte in den steirischen Wäldern. Kaum verwunderlich also, dass man bei so viel Besinnlichkeit auch Zeit und Muße findet, sich textlich mit tiefgründigeren, sozialkritischeren Themen auseinanderzusetzen, so wie es Gnackwatschn in diesem Fall getan haben.

Viel mehr gibt es aus meiner Sicht auch schon gar nicht mehr zu sagen, außer: Hört es euch an, ladet ein paar Leute ein, macht euch einen beschwingten Abend und feiert ein bisschen! Cheers! Und schaut euch unbedingt das geniale Video an, in welchem zahlreichen bekannte Gesichter mitgewirkt haben (Paul Pizzera, Roman Gregory, Die Niachtn, Erwin & Edwin, Millions Of Dreads, Phrasenmäher, Horst, VZI, Tschebberwooky, A Walk In A Park,TRAIN D-LAY)!

Beitragsbild: Facebookseite der Band


Ilka

Wäre mein Leben ein typischer und damit völlig realitätsferner, überspitzter und von wahnwitzigen Wunschvorstellungen geprägter Film, dann würde folgendes Szenario die Eröffnungsszene darstellen: Ilka sitzt mit einer Tasse Minztee und Brownies auf ihrer Terrasse an der irischen Westküste, umgeben vom weiten wilden Meer und weniger wilden Schafen. Plötzlich biegt ihre kleine getigerte Katze um die Ecke, schnurrt wie verrückt und erzählt von ihren Abenteuern mit den Eichhörnchen im Wald. Zur irischen Meeresbrise und dem idyllischen Rauschen der Wellen mischen sich die zerberstenden Klänge einer beliebigen Alternative Metal Band, damit das alles nicht ganz so kitschig ist … to be continued … Zusammenfassend lässt sich also festhalten: Ja, ich bin eine ruheliebende Person und ja, ich mag harte Musik. Ich bin quasi der Beweis dafür, dass Ruhe und Lautstärke einander nicht ausschließen müssen, sondern wunderbar miteinander vereinbar sind. Kontrovers? Vielleicht. Achja, und falls irgendwer irgendwen kennt, der bereit ist, obige Filmidee umzusetzen – bitte melden, ich buch schon mal den Flug! ;)

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