Mother’s Cake im PPC Konzerte / Review

Am 03.12.2015 wurde in Graz progressiv gerockt. Drei österreichische Topbands angeführt von der Tiroler Gruppe Mother’s Cake erfüllten das PPC mit heftigen Klängen. Ich war dabei und hab mir das Ganze etwas näher angesehen. Hier meine Gedanken zum Konzertabend.

 

Eigentlich war ich ja nur wegen Mother’s Cake da. Aber als phi die ersten Takte anspielte, hatten sie dann doch meine vollste Aufmerksamkeit. Die drei Niederösterreicher machen Progressive Rock, die Stücke sind sehr elaboriert und ausgeklügelt und weisen oft auch ungerade Taktarten auf. Zwischen den Stücken nimmt sich der Gitarrist und Sänger immer wieder Zeit, um sein Instrument nachzustimmen während er – die Augen konzentriert auf die Anzeige des Stimmgeräts gerichtet – ein paar Worte an das Publikum richtet, um kurz darauf wieder seine Stimme gefühlvoll und melodisch zur Musik erklingen zu lassen. Der Schlagzeuger ist sehr exakt und kontrolliert. Als ich mir nach dem Konzert ein paar Stücke von phi im Internet anhöre, muss ich mir sofort denken, dass die Gruppe live noch um einiges mehr Ausdruckskraft hat. Mich hat auf jeden Fall beeindruckt, wie sicher und geradezu makellos die Band ihre Stücke zum Besten gegeben hat. Auf Situationen, bei denen man sich denkt “ja klar, das ist halt live” wartete man vergebens. Man merkt, dass diese drei Musiker schon länger zusammenspielen und einiges an Routine angesammelt haben. Der Lichttechniker sah während des Konzerts von phi anscheinend auch die Chance, endlich mit seinen Fähigkeiten glänzen zu können – entweder das oder er wollte seinen Highscore an epileptischen Anfällen bei einem Konzert übertreffen. Man wird es wohl nie erfahren.

 

Next up: Parasol Caravan. Die Gruppe bot unter anderem eine ausführliche Kostprobe ihrer neuen EP “Para Solem” und startete passenderweise mit dessen Intro-Stück “Take Off”, welches das Publikum sogleich in Raumfahrtstimmung versetzte und während Richard Reikersdorfer noch damit beschäftigt war, am Schlauch seiner Talkbox herumzukauen, begann auch schon ein bombastisches und äußerst energetisches Konzert der Linzer Stoner Rock Band. Sänger und Gitarrist Alexander Kriechbaum versteht es, mit dem Publikum zu kommunizieren und macht dies auf eine sehr lockere und sympathische Art. “Black Monolith” brachte das PPC zum Beben und war fast der Höhepunkt von Parasol Caravans Darbietung. Alles in Allem eine sehr stimmungsvolle Performance.

 

Und dann war es endlich so weit. Die Umbauarbeiten für Mother’s Cake nahmen zwar etwas länger in Anspruch (die zwei Lichtelemente bestehend aus aneinandergereihten Leuchtstoffröhren, wobei auf einem Element das Wort “Mother’s” und am zweiten “Cake” angebracht ist, müssen immerhin exakt positioniert und getestet werden), die Wartezeit nimmt man aber gerne in Kauf. Schließlich betraten die drei Musiker die Bühne und fingen auch sogleich an, die Zuhörer mit ihren Klängen in Ekstase zu versetzen. Eine anfängliche spielerische Aufwärmphase, die die Band brauchte, sei ihr vergönnt, vor allem weil das Konzert in weiterer Folge wirklich so unglaublich stimmig war: Harte Rockklänge, ein großzügiger Schuss Funk, viel Power und Präzision. Sänger und Gitarrist Yves Krismer verstrahlt eine Unmenge an Charisma und versteht es, eine Verbindung zum Publikum herzustellen. So kommt es auch, dass er spontan auf Chants und andere Signale aus den Zuschauerrängen einsteigt und selbst dabei den meisten Spaß hat. Schlagzeuger Jan Haußels ist sowieso ein Phänomen und hämmert die Beats in sein Set als wäre es das Einfachste auf der Welt. Und Benedikt Trenkwalder am Bass, tja wie bereits öfters angemerkt: Ein Meister seines Instruments. Das wurde ganz speziell auch bei der fulminanten Zugabe deutlich, zu der sich Mother’s Cake bereitwillig hinreißen ließ: Mit “Runaway” lieferte die Band die Kulmination des Abends, die Stimmung war auf der Spitze. Den zwei jungen Frauen, die neben mir tanzten, als gäbe es kein Morgen, und mir dabei ständig ihre Haarpracht ins Gesicht schnalzten, scheint es ebenfalls gefallen zu haben.

 

Und in dieser Hochstimmung beschlossen Mother’s Cake ihre Darbietung und entließen uns wieder in die Weiten dieser Welt. Die Nachwirkungen dieses Abends werden mir noch für längere Zeit die Stimmung versüßen, so viel steht fest.

 

Beitragsbild: BeatCity.at

Bernd

Hallo, ich bin Bernd. Ich bin Rhythmus und Harmonie. Ich bin der Typ, der das ganze Album von vorne nach hinten abspielt, nur um diese eine Nummer zu hören. Der Typ, der sich spät nachts mit seinen Kopfhörern hinsetzt, alles um sich herum vergisst und sich von besagter Nummer völlig vereinnahmen lässt (und dann in einem Zustand der Euphorie über den Sinn des Lebens philosophiert). Auch bin ich der Typ, der alle Hebel in Bewegung setzt, nur um den Namen des Tracks zu finden, der bei genau 6 Minuten und 14 Sekunden im eben gesehenen Youtube-Video zu hören war. Meine Begeisterung für die Musik beschränkt sich aber nicht nur auf das Konsumieren, finde ich mich doch einige Male auch selbst auf der Bühne wieder - bevorzugt als Drummer. Was noch? Ich ess’ gern Cornflakes.

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