Itchy Poopzkid im p.p.c. Graz Konzerte / Review

Wenn sogar die Band nicht mehr weiß, wen sie mehr loben sollte – das Publikum oder doch die Band selbst (mit einem zwinkernden Auge, versteht sich) – weiß man, dass es ein fantastischer Abend gewesen sein muss.

 

Bereits zum fünften Mal beehrten uns die deutschen Punkrocker von Itchy Poopzkid im Grazer p.p.c. – dieses Mal im Rahmen ihrer Six Tour, anlässlich ihres aktuellen Albums – und es war erwartungsgemäß grandios. Wenn Sibbi, Panzer und Max die Bühne betreten ist gute Laune einfach vorprogrammiert. Und das, obwohl die drei, wie sie leider selbst zugeben mussten, bis zum Abend eher weniger in Partystimmung waren, nachdem sie am Ende ihres Tourstopps in Wien am Freitag von den tragischen Ereignissen in Paris erfahren mussten. Auch im Publikum brauchte es ein paar Nummern, bis auch die letzten Reihen des gut gefüllten p.p.c.s in Bewegung kamen. Wir seien hier eben ein sehr höfliches Publikum, wie die Band belustigt feststellte. Darum lautete das von da an konstatierte Ziel des Abends, dass bis zum Ende alle tanzen.

Hier meine ganz persönlichen Highlights des Abends im Überblick:

Highlight Nr. 1:
Nachdem die ersten Lieder zum Warmwerden über die Bühne gebracht worden waren und die Band schon mit „Kings and Queens“ eine eher gemütliche Atmosphäre geschaffen hat, meinte Panzer, dass er diese Gelegenheit nutzen möchte, um den nächsten Song mitten im Publikum zu performen. Kurzerhand wurden also Mikrophonständer und Gitarre nach unten in die Menge verlegt. Jubelschreie von allen Seiten. Und als ob das nicht schon genug gewesen wäre, forderte er uns auch noch alle auf, uns hinzusetzen. Und da saßen wir nun, ganz andächtig lauschend, während Panzer als einziger aus der Menge emporragte und eine Akustikversion der Nummer „As long as I got Chords“ zum Besten gab. Wohnzimmerstimmung pur.

Highlight Nr. 2:
Gleich darauf kam etwas, das von Sibbi als „Holzlied“ betitelt wurde (es war eine Akustikversion von „I Gotta Get Away“). Warum Holzlied? Akustikgitarren und Cajon. Sinn dahinter: Einheizen, damit bei den darauffolgenden Songs die Hölle brennt. Leider handelte es sich dabei um die totale Situationskomik der drei, sodass ich das ganze jetzt im Nachhinein einfach nicht in Wort fassen kann. Wer Itchy Poopzkid jedoch schon einmal live erleben durfte, weiß mit Sicherheit, dass sich ihre Shows vor allem auch durch irrsinnig humorvolles Entertainment auszeichnen. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie sich selbst oder das Publikum aufziehen, oder einen sarkastischen Wortwitz nach dem anderen raushauen: Es ist ihnen einfach anzumerken, wie viel Spaß die drei auf der Bühne haben. Highlight Nr. 2 lässt sich also folgendermaßen zusammenfassen: Wenn ich nicht gerade lauthals mitgesungen habe, hatte ich ein Dauergrinsen im Gesicht und musste auch das eine oder andere Mal herzhaft lachen. Ich kenne bis dato keine andere Band, die so authentisch so viel gute Laune erzeugt. Punkt.

Highlight Nr. 3:
Das Einheizen mit dem „Holzlied“ hat wunderbar geklappt – bei „Never Say Die“, „Out There“ und „It’s Tricky“ (Run-D.M.C. Cover) war die Mehrheit bereits dabei, auszurasten. Bei letzterem war dann plötzlich der halbe Laden halbnackt. Warum? Jeder sollte entweder ein Kleidungsstück ausziehen oder einen sonstigen mitgebrachten Gegenstend zücken, um damit beim Refrain über allen Köpfen hinweg wild herumzuwirbeln. Erwünscht zum Wedeln waren T-Shirt, Socken, Accessoires, Eyeliner, Nightliner… ganz egal.
STIMMUNG HOCH TAUSEND!!!

Highlight Nr. 4:
Bei „Silence Is Killing Me“ durfte, wie im Vorfeld auf Facebook angekündigt, eine Person aus dem Publikum, die bestenfalls Schlagzeug spielen kann und den Song idealerweise auch geübt hat, den Song mit 2/3 der Band rocken. Der Freiwillige aus Graz war Paul. Dieser hat zwar anscheinend nicht geübt, erntete aber trotzdem tosenden Applaus und Panzer fügte am Ende hinzu, dass dies einer der schönsten Punkrockmomente seines Lebens war. So im Sinne von irgendwas machen und es wird schon passen. Danke trotzdem lieber Paul, auch wenn es laut Sibbi die längsten drei Minuten seines Lebens waren.

Highlight Nr. 5:
Die Zugaben. Nach „Drogenfrau“ glaubte man, die Stimmung sei schon am absoluten Höhepunkt angelangt, doch auch hier legten Itchy Poopzkid noch einen oben drauf. Bei „The Weight of the Water“ bebte förmlich der ganze Raum. Man stelle sich folgendes Szenario vor: Alle –  und damit meine ich wirklich ALLE – legten ihre Arme um die jeweiligen Personen links und rechts, egal ob wildfremd oder nicht, und in dieser Formation sprangen wir fast das komplette Lied hindurch, bis auch das letzte T-Shirt garantiert durchgeschwitzt war. Ich würde sagen: Ziel erfüllt.
Zum Abschluss bei „Down Down Down“ wagte die Band mit uns noch ein kleines Gesangsexperiment, wo wir anscheinend überdurchschnittlich gut abgeschnitten haben, obwohl wir durch die vorangegangene Hüpferei doch schon ein wenig außer Atem waren…

Und so ging er auch schon wieder zu Ende, dieser wundervolle Abend. Danke, Itchy Poopzkid, und hoffentlich bis bald wieder!
Auf ihrer Homepage könnt ihr übrigens die Konzerte der Six Tour auch aus der Sicht der Band mitverfolgen: Itchy Poopzkid verfassen dort nämlich anekdotische Einträge in ihr Tourtagebuch und geben euch somit einen Einblick hinter die Kulissen!

 

Beitragsbild: Pascal Riesinger

 

 


Ilka

Wäre mein Leben ein typischer und damit völlig realitätsferner, überspitzter und von wahnwitzigen Wunschvorstellungen geprägter Film, dann würde folgendes Szenario die Eröffnungsszene darstellen: Ilka sitzt mit einer Tasse Minztee und Brownies auf ihrer Terrasse an der irischen Westküste, umgeben vom weiten wilden Meer und weniger wilden Schafen. Plötzlich biegt ihre kleine getigerte Katze um die Ecke, schnurrt wie verrückt und erzählt von ihren Abenteuern mit den Eichhörnchen im Wald. Zur irischen Meeresbrise und dem idyllischen Rauschen der Wellen mischen sich die zerberstenden Klänge einer beliebigen Alternative Metal Band, damit das alles nicht ganz so kitschig ist … to be continued … Zusammenfassend lässt sich also festhalten: Ja, ich bin eine ruheliebende Person und ja, ich mag harte Musik. Ich bin quasi der Beweis dafür, dass Ruhe und Lautstärke einander nicht ausschließen müssen, sondern wunderbar miteinander vereinbar sind. Kontrovers? Vielleicht. Achja, und falls irgendwer irgendwen kennt, der bereit ist, obige Filmidee umzusetzen – bitte melden, ich buch schon mal den Flug! ;)

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