BOY / HUSKY in Graz – Ein Konzertreview der etwas anderen Art Konzerte

Ich hab’ gerade keinen Bock darauf, ein Konzertreview über zwei großartige Bands, die das größte Lob verdient haben, zu schreiben, wenn ich mich innerlich über das Publikum ärgere. Du warst am Dienstag im p.p.c., es war SAUGEIL und du fragst dich, was zum Teufel schreibt sie da? Ja, genau an dich richtet sich mein Artikel.

 

Das deutsch/schweizer Popduo Boy war am 03.11.2015 im p.p.c. Graz und brachte die australische Alternative-Folk-Band Husky als Support mit. Ein Konzertabend, wie er besser nicht hätte sein können – dachte ich mir zumindest. Der Plan war, ein Konzert zu besuchen, es zu genießen, hier und da ein paar Notizen zu machen und ein kurzes, feines Review über zwei grandiose Bands zu schreiben. Doch nun steh’ ich im Konflikt mit mir selbst. Mache ich meinen Job und berichte über die Musik, die für mich persönlich das Wichtigste am gesamten Abend war, oder schreibe ich darüber, dass ich alle zwei Minuten aktiv damit kämpfen musste, das unaufmerksame Publikum auszublenden.

Die Vorband betritt die Bühne. Zwei Cousins aus Melbourne, die in Australien mit zwei weiteren Bandmitgliedern ein großer Name sind und gerade eine Europa-Headliner-Tour hinter sich haben. Der Raum ist bereits vollgepackt, schließlich war das Konzert schon eine Woche im Voraus ausverkauft. Kurzer Applaus und ein Hallo von der Bühne und die beiden legen los. Wunderschöne, melodische Töne, die in verträumte Welten eintauchen lassen. Ein paar hellhörige Gesichter in der ersten Reihe, vereinzelte aufmerksame Blicke aus der Menge und der Rest? Menschen, die sich am Bier festklammern, ungeduldig herumzappeln und lauthals versuchen, oberflächlichen Smalltalk zu führen. Aber ganz egal, ob bekannte oder unbekannte Gesichter die Bühne betreten – aus irgendeinem Grund blutet mein Herz, wenn Leute null Interesse am Ereignis, für das sie noch dazu bezahlt haben, zeigen.

Ich weiß, es geht darum, eine gute Zeit zu haben. Abhängen, Freunde treffen, quatschen, was auch immer. Aber ganz ehrlich: Bars, Clubs mit 0815-Musik zum Mitsingen gibt’s an jeder Ecke in Graz. Ab ins Univiertel mit dir. Wenn du jedoch ein Ticket um 30 Euro kaufst und dir eine bekannte Band ansiehst, die einen Support mitbringt, ist es wohl nicht zu viel verlangt die Lauscher aufzumachen, wenn sie die Bühne betreten.

Ich wünsch’ mir ein Publikum, das wertschätzt. Ein Publikum, das in die Musik eintaucht. Ein Publikum, das offen ist für Neues. Das beobachtend, kritisch und risikofreudig ist. Graz, das hier geht an euch: hört doch das nächste Mal hin. Macht die Lauscher auf. Wartet nicht auf den Hit aus dem Radio, der ist nur da, um euch zum Konzert zu kriegen! Worum es wirklich geht, ist größer. Lauter. Schöner. Und oft im Leisen zu finden. So next time, Graz: Listen. Listen carefully. Because every moment is precious. Every moment only comes once in life.

‚Cause the last thing that I noticed
as that old dream came around
Was a city burning golden
as the sun came shining down
And I said they’re still in my mind
I screamed „Goodbye, farewell!“ to my hometown
I’m not coming back (Husky, Forever So, 2012)

Photo copyright by : HELMUT UTRI/PHOTOREPORT


Klara

Tanzen. Schreien. Ruhen. Lachen. Genießen. Umarmen. Entdecken. Weinen. Verzweifeln. Beobachten. Reflektieren. Akzeptieren. Wahrnehmen. Lieben lernen. Leben nennen. Wieder erkennen. Von mir trennen. Farbe sehen. Seide spüren. Gemeinsam gehen. An den Händen führen. Sowas kommt raus, wenn ich nicht weiß was ich über mich schreiben soll, jedoch in Gedanken versinke und die Finger am Tastaturbrett laufen lasse. Hmm, für alle die damit gar nix anfangen können (manchmal mich selbst inkludiert) noch ein paar Hardfacts. Derzeitiges Lieblings-T-Shirt: blaues kurzärmliges Angry Birds T-Shirt Charakterzug: chaotischer Kopf, auf der ständigen Suche nach Ordnung Was ich machen würde, wenn ich viel Kohle hätt' und nicht so ein Ökofritzi wär: Wann immer ich will stundenlang mit einem fetten Geländewagen und lauter Musik durch Wald, Wiesen und Gatsch fahren. Was würd' ich tun, wenn du vor mir stehen würdest: Dich knuddeln.

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