Koen Herfst im Interview Interviews

Neues Bandprojekt im Anmarsch!

 

In einem exklusiven Interview erzählte uns Koen Herfst – bekannt als vielseitig talentierter und wahnsinnig leidenschaftlicher Schlagzeuger von Bands wie Bagga Bownz, Dew Scented und I Chaos – von seinem aktuellen Soloprojekt (wir berichteten) und seinen vielversprechenden Plänen für die Zukunft.

Using your emotions is a great way to create your art. (Koen Herfst)

Beim Plaudern über seinen Werdegang, sein eigenes Festival und seine gewaltige Welttournee mit Armin van Buuren, war es schön zu sehen, wie bodenständig und locker sich Koen uns präsentierte.

 

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(Nach einer kurzen Begrüßung und der Suche nach einem geeigneten Plätzchen zum Chillen starteten wir auch schon direkt in das Interview):

Ilka: Kannst du mir zu Beginn einfach ein bisschen über dich selbst erzählen – wie wurdest du so ein erfolgreicher Schlagzeuger und was inspirierte dich dazu, Musiker zu werden?

Koen: Ja, als ich 13 Jahre alt war, sah ich ein Konzert von No Doubt im Fernsehen und begann, Korn und später auch Dream Theater zu hören. Und da dachte ich mir so: Yeah, das will ich auch! Also begann ich Schlagzeugunterricht zu nehmen und spielte in der Schulband. Ich war quasi ein Jugendtalent und machte  zwischen 13 und 17 Jahren sehr große Fortschritte. Mit 18/19 tourte ich bereits mit mehreren Bands durch Holland und als ich zurück nach Den Haag kam, spielte ich mit Bagga Bownz, meiner langjährigen Hauptband. Später spielte ich dann einerseits mit After Forever, da ihr Schlagzeuger krank war, und andererseits mit Epica. Und schließlich arbeitete ich dann auch mit Armin (van Buuren, Anm. d. Redaktion) zusammen, auf den ich wiederum durch Bagga Bownz stieß, da Armin der Bruder des Gitarristen ist. Auf der gemeinsamen Tour konnte ich mir selbst beweisen, was ich konnte.

Ilka: Und nun war es also Zeit für ein Soloalbum.

Koen: Ja, genau. Ich mache ja generell hauptsächlich für mich selbst Musik und jetzt war es für mich einfach an der Zeit, ein Album gemeinsam mit lauter MusikerInnen, die ich mag, zu machen. Generell sagen ja viele MusikerInnen, dass sie ein Soloalbum machen wollen, aber im Endeffekt reden sie nur weiter davon…

Ilka: …und machen es dann tatsächlich aber gar nicht.

Koen: Richtig. Es ist einfach sehr, sehr viel Arbeit.

Ilka: Woher nahmst du dann die Motivation, es zu tun?

Koen: Ich wollte es schon jahrelang machen, ich wollte der Welt meine Musik zeigen. Hauptsächlich habe ich es aber für mich selbst gemacht, mir ging es einfach darum, es zu TUN und nicht nur darüber zu reden. Ich hatte einfach den Traum, es zu tun und jetzt kann ich tatsächlich sagen, dass ich es geschafft habe! Mir geht es auch gar nicht um einen großartigen medialen Wirbel, das spielt alles gar keine große Rolle. Ich meine, natürlich ist es cool, wenn du internationale Interviews machst und so tolle Reviews wie z.B. von euch aus Österreich und von großen holländischen Magazinen bekommst – darüber würde sich natürlich jeder freuen, aber das ist nicht das Wichtigste. Für mich ist es so und so schon ein Erfolg.

Ilka: Und wie kam es dazu, dass du mit so vielen verschiedenen KünstlerInnen zusammengearbeitet hast?

Koen: Das waren alles Leute, mit denen ich in den verschiedensten Projekten zusammengearbeitet habe. Ich habe sie einfach gefragt und alle waren sofort dabei. Das zeigt mir in gewisser Weise auch, dass ich kein Arschloch bin (lacht), verstehst du? Denn alle wollten sofort mitmachen, weil sie meine Musik und meine Leidenschaft schätzen. Das war sehr cool.

Ilka: Okay, und wie viel Einfluss hatten diese MusikerInnen auf die einzelnen Lieder?

Koen: Ungefähr 30 Prozent oder so… manche mehr, manche weniger. Die meisten Lieder starteten mit meinen Riffs – ich machte auch Demos zu den einzelnen Songs, wo ich auch Gitarre spielte, sang und programmierte – und durch die gemeinsame Arbeit mit den ganzen MusikerInnen konnten wir daraus dann etwas noch Größeres erschaffen.

Ilka: Du hast ja auch zum ersten Mal selbst die Lyrics geschrieben, wie ist es dir dabei gegangen?

Koen: Ich glaube, ich hab mich ganz gut geschlagen (lacht)!

Ilka: Die Texte sind auch sehr persönlich.

Koen: Ja, sehr persönlich sogar. Ich war sehr ehrlich. Das ist auch der Grund für den Albumtitel Back to Balance. Ich war an einem Punkt, wo ich nicht wusste, wo ich war und wo ich hin sollte. Und so nutzte ich das Schreiben, um mit persönlichen Dingen abzuschließen, die richtig scheiße waren. Ich denke, das ist ein großartiger Weg, damit umzugehen. Es ist super, deine Emotionen zu nutzen, um deine Kunst zu schaffen.

Ilka: In der Zusammenarbeit mit den verschiedensten KünstlerInnen konntest du auf dem Album auch deine Vielseitigkeit unter Beweis stellen – gibt es ein Genre, das dir am meisten Spaß macht?

Koen: Nein, nicht unbedingt. Ich meine, Metal ist jenes Genre, für welches ich am meisten bekannt bin. Aber manchmal ist mir einfach nicht danach. Ich möchte nicht als Metal-Drummer abgestempelt werden, denn ich spiele ja genauso Hip Hop, Pop oder Dance Music mit Armin. Natürlich bin ich ein „heavy hitter“ und ich mag es auch, wenn man mich als „heavy guy“ kennt, aber ich mag einfach die Vielfalt. Natürlich haben mich Bands wie Dream Theater und Pantera, mit welchen ich sozusagen aufgewachsen bin, sehr geprägt. Ich mag auch eine gewisse Aggressivität in der Musik. Aber wenn ich nur Metal wie auf dieser Tour (mit Dew Scented, Anm. d. Redaktion) hören würde, würde ich irgendwann verrückt werden (lacht). Vielleicht versuche ich mich auf zukünftigen Alben auch in anderen Stilrichtungen, wir werden es ja sehen!

Ilka: Also weißt du auch noch nicht genau, wie es in Zukunft bei dir weitergeht?

Koen: Naja, um ehrlich zu sein arbeite ich gerade an einem neuen Bandprojekt! Hast du den letzten Song auf meinem Album gehört, Attitude of an Astronaut? In den Lyrics geht es darum, die Welt von oben aus der Perspektive eines Astronauten zu betrachten, und um festzustellen, dass auf der Erde einiges schiefläuft. Und als ich dabei war, diesen Song zu schreiben, dachte ich so: Hey, das wird der Name meiner neuen Band! Deshalb hab ich Attitude of an Astronaut auch als letzte Nummer mit einem Fade Out für das Album gewählt.

Ilka: Also dürfen wir uns schon bald auf ein neues Projekt von dir freuen?!

Koen: Ja, ganz sicher. Es wird auch der gleiche Sänger (Valerio Recenti, Anm. d. Redaktion), der den Song gesungen hat, dabei sein. Der Bassist, der mit mir gemeinsam mein Album produziert hat (Michiel Eilbrecht, Anm. d. Redaktion), macht auch mit. Wir sind bereits dabei, etwas aufzunehmen. Nächstes Jahr werden wir wahrscheinlich eine EP herausbringen! Vom Stil her wird es aber nicht unbedingt in die Metal-Richtung gehen.

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Ilka: Okay, das klingt ja nach einem weiteren großartigen Projekt. Was sind abgesehen davon deine weiteren Zukunftspläne? Willst du dich mehr auf die Solokarriere fokussieren oder mehr auf deine verschiedenen Bands?

Koen: Ich möchte auf jeden Fall an meinem Soloprojekt weiterarbeiten, das liebe ich einfach. Aber das ist in nächster Zeit nicht mein Hauptfokus, vielleicht wieder in einem Jahr oder später, das weiß ich noch nicht. Ich konzentriere mich natürlich jetzt auf die neue Band und vielleicht gehe ich ja auch wieder auf Tour mit Armin.

Ilka: Bei der letzten Tour mit Armin bist du ja um die ganze Welt gereist – was waren da die beeindruckendsten Momente?

Koen: Zum einen war das auf jeden Fall Madison Square Garden. Wenn du dort ankommst, denkst du dir einfach nur so …WOW…! Das ist wirklich einmalig. Was mich auch beeindruckt hat, waren die Leute in Mexico. Wir spielten vor 25.000 Menschen und der Beton bebte wortwörtlich, da alle so heftig herumsprangen. In Indien zu spielen war für mich auch eine sehr schöne Erfahrung. Generell bin ich sehr dankbar und stolz, dass ich auf so einer großen Welttournee dabei sein durfte! Allein schon die Bühne war der Wahnsinn – ich hatte eine eigene Bühne mit riesigen Spotlights, die auf mich gerichtet waren. Echt crazy.

Ilka: Neben deinen ganzen Projekten hast du es sogar geschafft, dein eigenes Festival „Herfstfest“ aufzuziehen – wie kam es dazu?

Koen: Ja, das alles begann eigentlich aus einem Scherz heraus. In Den Haag gibt es immer das „Winterfest“ und eines Tages fragte man mich, ob ich nicht Lust hätte, ein eigenes Festival zu machen. Und wir dachten so: Yeah, machen wir ein „Herfstfest“! (Herfst ist niederländisch für Herbst, darum die lustige Anlehnung an das „Winterfest“, Anm. d. Redaktion). Also machte ich es zu meinem eigenen Drummer-Festival. Es wurde im Endeffekt sogar das größte Schlagzeugfestival in Holland, das war sehr cool. Ich plane  außerdem, es ab jetzt jährlich stattfinden zu lassen.

Ilka: Wow, du bist neben deiner Tätigkeit in den verschiedenen Bands also auch erfolgreicher Solokünstler und hast dein eigenes Festival!

Koen: Ja, das ist echt sehr cool!

Ilka: Viele Schlagzeuger fungieren ja oftmals im Hintergund einer Band und bekommen nicht immer so viel Aufmerksamkeit – wie hast du es also geschafft, dich als Schlagzeuger so in den Mittelpunkt zu rücken?

Koen: Es ist wirklich schade, aber vielleicht werden ja in Zukunft mehr Schlagzeuger weiter in den Mittelpunkt der Bühne gerückt. Ich habe einfach immer hart gearbeitet und ich mein, ich mag, was ich mache, und – das hört sich zwar immer etwas komisch an, das von sich selbst zu behaupten – aber ich bin auch gut darin. Und das will ich auch zeigen!

(Es folgten ein paar Fotos, wir bedankten uns herzlich für das wunderbare Interview und durften auch während des weiteren Verlaufs des Abends noch ein paar nette Worte mit Koen wechseln. Danke auch für’s Bier und die coole Show als Abschluss des Tages. Thanks, Koen!)

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Pictures by Lukas Preininger


Ilka

Wäre mein Leben ein typischer und damit völlig realitätsferner, überspitzter und von wahnwitzigen Wunschvorstellungen geprägter Film, dann würde folgendes Szenario die Eröffnungsszene darstellen: Ilka sitzt mit einer Tasse Minztee und Brownies auf ihrer Terrasse an der irischen Westküste, umgeben vom weiten wilden Meer und weniger wilden Schafen. Plötzlich biegt ihre kleine getigerte Katze um die Ecke, schnurrt wie verrückt und erzählt von ihren Abenteuern mit den Eichhörnchen im Wald. Zur irischen Meeresbrise und dem idyllischen Rauschen der Wellen mischen sich die zerberstenden Klänge einer beliebigen Alternative Metal Band, damit das alles nicht ganz so kitschig ist … to be continued … Zusammenfassend lässt sich also festhalten: Ja, ich bin eine ruheliebende Person und ja, ich mag harte Musik. Ich bin quasi der Beweis dafür, dass Ruhe und Lautstärke einander nicht ausschließen müssen, sondern wunderbar miteinander vereinbar sind. Kontrovers? Vielleicht. Achja, und falls irgendwer irgendwen kennt, der bereit ist, obige Filmidee umzusetzen – bitte melden, ich buch schon mal den Flug! ;)

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