Koen Herfst – Back To Balance CDs / Review

Soloprojekt eines multitalentierten Schlagzeugers – bei Koen Herfsts bombenmäßigem und wahnsinnig vielseitigem Debutalbum kommen nicht nur Fans des Progressive Metals auf ihre Kosten.

 

Man stelle sich eine x-beliebige Band vor: Jemand singt, daneben ertönen Gitarre und Bass und irgendwo im Hintergrund verausgabt sich jemand am Schlagzeug. Wer sich nicht gerade selbst in einer engen Beziehung mit dem letztgenannten Instrument befindet, schenkt diesem leider oftmals viel zu wenig Aufmerksamkeit. Nun gibt es in den Niederlanden allerdings einen Mann, dem es gelingt, diesen Spieß umzudrehen. Plötzlich dreht sich alles um die Drums und unsere Herzen schlagen im Rhythmus ihrer Beats. Die treibenden Schläge vibrieren durch unsere Körper und alles andere wird zur Nebensache.

Die Rede ist von keinem geringeren als von Koen Herfst. Der Niederländer, wecher seit seinem 18. Lebensjahr professionell Schlagzeug spielt, hat sich besonders durch seine Vielseitigkeit einen Namen gemacht. Rock und Metal zählen genauso zu seinem Repertoire wie Hip Hop, Dance und Pop. Vielen ist er vielleicht auch durch die enge Zusammenarbeit mit dem renommierten DJ Armin van Buuren bekannt, mit welchem er 2014 eine gewaltige Welttournee rockte. Nachdem er bisher unter anderem bei der Death Metal Band I CHAOS, der Thrash Metal Band Dew Scented und der Crossover Band Bagga Bownz den Rhythmus angab, wagte Herfst kürzlich auch den Schritt zu einem Soloprojekt, welches ich euch hiermit näherbringen möchte.

Schlagzeuger. Soloprojekt. Zwei Wörter, die auf den ersten Blick irgendwie nicht zusammenpassen. Und tatsächlich fänden sich wahrscheinlich recht wenige Begeisterte, die sich eine Stunde lang pures „Bumm Tschack“ reinziehen würden. Durch seine jahrelange Zusammenarbeit mit namhaften KünstlerInnen aller Art war es für Herfst daher von vornherein klar, dass das Werk mit Hilfe von anderen MusikerInnen auf die Beine gestellt werden soll. Letztendlich kamen dann tatsächlich 25 einzigartige KünstlerInnen (und zwei Katzen – dazu später mehr) zusammen, um Back to Balance entstehen zu lassen. Die Intention hinter diesem Projekt liegt vor allem in Koen Herfts Vergangenheit, welche besonders in den letzten Jahren nicht immer von schönen Zeiten geprägt war. Kurz vor einem Burnout stehend und frisch getrennt von seiner langjährigen Beziehung sollte Back To Balance ein erster großer Schritt in eine farbenfrohere Zukunft sein und ihm dabei helfen, mit den düsteren Zeiten abzuschließen. Dieses Motto umrahmt das gesamte Album und fließt besonders auch in die Lyrics ein, welche Herfst zu einem großen Teil übrigens selbst verfasst hat. Spannend ist auch, dass das Album ursprünglich als reines Instrumentalalbum gedacht war und sich die Lyrics erst später und eher durch Zufall ergeben haben.

Back To Balance beginnt mit einem gewaltigen Song namens Here I Am,  und besser könnte man ein derartiges Album nicht starten. Es wird einem sofort klar, dass das etwas ganz Großes ist, was einem gerade an die Ohren kommt. Die Drums stehen erwartungsgemäß und wie bei den folgenden Nummern auch deutlich im Vordergrund, ohne aber die anderen Komponenten zu untermauern. Der Text macht klar, Herfst hat genug von seinem bisherigen Leben, er lässt sein gebrochenes Ich zurück, es wird Zeit für einen Umbruch. Im zweiten Lied Erase Or Rewind schöpft Herfst bereits neue Lebensenergie, nachdem er sich von seinem passiven Leben verabschiedet hat und sich nun bewusst ist, an der Vergangenheit nichts ändern zu können. Bei den Songs I Don’t Need To Tell You, Begone und Never Been So Wrong scheint Herfst auch endgültig mit seiner Beziehung abzuschließen und schreit sich bei der letztgenannten Nummer sogar selbst die Seele aus dem Leib.

Einer meiner Favoriten ist auch ganz klar Total Hate. Auch wenn die einzelnen Lieder aufgrund der Zusammenarbeit verschiedenster Künstlerinnen generell sehr vielseitig sind und Koen Herfst sein gesamtes Repertoire unter Beweis stellt, hebt sich dieser Song stilistisch noch einmal ganz besonders vom Rest ab: In den Strophen wird gerappt und im Chorus entladen sich dann ganz plötzlich düstere Gothic Elemente. Insgesamt befinden sich auf dem Album auch vier Instrumentalnummern, die alle für sich  wiederum ihren eigenen Charakter haben und sich als genauso detailreich herausstellen wie die anderen Nummern. So kommt beispielsweise bei 1916 eine elektrische Geige zum Einsatz und bei Siamese Support leiten zwei genussvoll schnurrende Katzen (sie heißen Bibi und Vai, falls das jemand wissen will) den Song ein.

Alles in allem lässt sich also feststellen: Koen Herfst hat mit Back To Balance ein Debutalbum kreiert, das seinesgleichen sucht und sich besonders durch seinen hohen technischen Anspruch auszeichnet. Progressive Klänge, zum Zerbersten mit Energie geladene Drums, gepaart mit vielen Tempowechseln und obendrauf ganz viel künstlerische Leidenschaft – das alles vereint Herfst in diesem Werk. Einmal Anhören reicht längst nicht, um die zahlreichen Details bis ins Letzte zu erfassen und die Verschmelzung der einzelnen Stile aufzuschlüsseln. Auch wenn das Album von vornherein geil ist, gebt ihm genügend Zeit und viele Durchgänge. Es mag kaum zu glauben sein, aber es macht wirklich mit jedem Durchgang noch mehr Spaß!

Beitragsbild: Facebook-Seite des Künstlers


Ilka

Wäre mein Leben ein typischer und damit völlig realitätsferner, überspitzter und von wahnwitzigen Wunschvorstellungen geprägter Film, dann würde folgendes Szenario die Eröffnungsszene darstellen: Ilka sitzt mit einer Tasse Minztee und Brownies auf ihrer Terrasse an der irischen Westküste, umgeben vom weiten wilden Meer und weniger wilden Schafen. Plötzlich biegt ihre kleine getigerte Katze um die Ecke, schnurrt wie verrückt und erzählt von ihren Abenteuern mit den Eichhörnchen im Wald. Zur irischen Meeresbrise und dem idyllischen Rauschen der Wellen mischen sich die zerberstenden Klänge einer beliebigen Alternative Metal Band, damit das alles nicht ganz so kitschig ist … to be continued … Zusammenfassend lässt sich also festhalten: Ja, ich bin eine ruheliebende Person und ja, ich mag harte Musik. Ich bin quasi der Beweis dafür, dass Ruhe und Lautstärke einander nicht ausschließen müssen, sondern wunderbar miteinander vereinbar sind. Kontrovers? Vielleicht. Achja, und falls irgendwer irgendwen kennt, der bereit ist, obige Filmidee umzusetzen – bitte melden, ich buch schon mal den Flug! ;)

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