New Shore Orchestra Feature

Eine Bigband kreiert neue Klangufer

 

Graz hat musikalisch eine immense Vielfalt zu bieten. Seit der Eröffnung des Jazz-Institutes der Kunstuniversität Graz 1965 entstand hier eine sehr lebhafte Jazz-Szene, viele Locations bieten sich wunderbar für Konzerte und Gruppen dieser Richtung an. Eine Formation, die diesem Nährboden entspringt, ist das New Shore Orchestra.

 

Wie kommt man zur eigenen Bigband? Man braucht ein unglaubliches musikalisches Feingefühl und muss bereit sein, viel Zeit zu investieren. „Time makes you old“, heißt es in einem Stück von Julia Maier. Das stimmt zwar schon, doch ist die junge Tirolerin noch lange davon entfernt. Maier, ihres Zeichens Musikerin, Singer/Songwriter und Komponistin, kam 2006 nach Graz, um dort an der Kunstuniversität Jazzklavier zu studieren. 2011 nahm sie am Wettbewerb für zeitgenössische Jazzkomposition “Jazz Comp Graz” mit dem Stück “New Shores Ahead” teil und gewann prompt Auszeichnungen in drei Kategorien. Sehr beachtlich, vor allem wenn man bedenkt, dass das besagte Stück, mit dem sie sich gegen die internationale Konkurrenz behauptete, das erste war, welches von ihr für Bigband komponiert wurde. Mit einem Schlag war die Tirolerin geachtete Bigband-Komponistin und schrieb für verschiedene musikalische Ensembles, welche in diese Kategorie fallen. Doch kam mit der Zeit der Wunsch auf, ein eigenes Projekt auf die Beine zu stellen. Es sollte ein Orchester werden, dessen Grundzusammensetzung sich von jener der typischen zeitgenössischen Bigband unterscheidet. Wir schreiben das Jahr 2012, Vorhang auf für das New Shore Orchestra (NSO).

 

Welcher ist also dieser spezielle Unterschied des NSO im Vergleich zu anderen Bigbands? Ein zentraler Bestandteil der Formation ist ein Streichquartett, das sich in die restliche Band einfügt. Die restliche Band, das sind Holzblas-, Blechblas- und Rhythmussektion sowie eine Sängerin, die die Gruppe vervollständigt. Der entstehende Klangcharakter wird von Julia Maiers Kompositionen und Arrangements aufgegriffen und stilistisch in Richtung Jazz, Pop, Klassik und Filmmusik gehend umgesetzt. Das Ergebnis lässt sich sehen und hören. Die Streicher fügen der Bigband eine weiche und liebliche Komponente hinzu, bringen zeitenweise aber auch richtig viel Schwung in die Sache. Es entsteht ein “erweiterter” Bigband-Sound mit innovativen Klangelementen, die von gefühlvoll ruhig bis episch kraftvoll und darüber hinaus reichen. Viele Stücke sind sehr rhythmisch geprägt, manche lassen sich von der ausdrucksstarken Stimme der Sängerin Anja Obermayer leiten, andere wiederum orientieren sich mehr am klassischen Bigband-Klang. Julia Maier versteht es dabei, “ihre” Musiker genau so einzusetzen, dass diese ihre Stärken vollends zur Geltung bringen können.


Und wo kann man was vom NSO hören? Das Debutalbum “New Time” ist eine wunderbare Zusammenstellung von Stücken, die von Julia Maier komponiert wurden, und kann auf der eigenen Website bestellt werden. Dort sowie auf der Facebook-Seite der Bigband werden auch Konzerttermine bekannt gegeben. Aus persönlicher Erfahrung kann ich nur jedem ans Herz legen, sich dieses wunderbare Orchester live zu Gemüte zu führen und somit für einige Zeit in die wundervollen Klangwelten einzutauchen, die Julia Maier so gekonnt in Zusammenarbeit mit grandiosen MusikerInnen erschafft.

Beitragsbild: newshoreorchestra.com


Bernd

Hallo, ich bin Bernd. Ich bin Rhythmus und Harmonie. Ich bin der Typ, der das ganze Album von vorne nach hinten abspielt, nur um diese eine Nummer zu hören. Der Typ, der sich spät nachts mit seinen Kopfhörern hinsetzt, alles um sich herum vergisst und sich von besagter Nummer völlig vereinnahmen lässt (und dann in einem Zustand der Euphorie über den Sinn des Lebens philosophiert). Auch bin ich der Typ, der alle Hebel in Bewegung setzt, nur um den Namen des Tracks zu finden, der bei genau 6 Minuten und 14 Sekunden im eben gesehenen Youtube-Video zu hören war. Meine Begeisterung für die Musik beschränkt sich aber nicht nur auf das Konsumieren, finde ich mich doch einige Male auch selbst auf der Bühne wieder - bevorzugt als Drummer. Was noch? Ich ess’ gern Cornflakes.

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