Farewell Dear Ghost Feature

Weiche Klänge einer klassischen Gitarre, angezerrter E-Gitarrensound, feinfühlige Bläser im Hintergrund und eine warme Stimme von Tobias Kuhn, der Band MONTA, erklingen durch mein Zimmer, während ich das Lied anhöre, dass den Künstler, über den ich heute schreibe, so beeinflusste, dass er den Songtitel zu seinem Eigen machte: FAREWELL DEAR GHOST.

Sphärische Sounds, mächtige Gitarren, intensive Beats und die kräftige, zugleich gefühlvolle Stimme von Philipp Szalay erklingen am Debutalbum We Colour The Night. Seine Melodien gehen ins Ohr und verbergen eine spannende Komplexität. Immer wieder höre ich mir die Nummern an und entdecke dabei neue Details. In den Songs tut sich eine Welt von Gegensätzlichkeiten und inneren Konflikten auf. Alltägliche
Auseinandersetzungen mit sich selbst oder anderen verpackt Philipp Szalay textlich in Form von Metaphern und wundersamen Bildern – eine Welt, in die ich als Zuhörerin mit Faszination eintauche.

Ein Grazer Musiker, der sich auf die Grazer Musikszene beschränkt? Ganz im Gegenteil. Philipp Szalay begann 2008 seine Musik in den Vordergrund zu stellen, indem er seine Lieder als Solo-Künstler unter seinem echten Namen der Öffentlichkeit zugänglich machte. Alleine oder mit erweiterter Band spielte er jede Menge live und feilte an seinen Liedern und Sounds. Ein Musiker, der sich nicht scheut, das Musikbusiness durch Learning by Doing zu erobern. Nun ist er seit zwei Jahren mit Alexander Hackl an der Gitarre, Philipp Prückl am Bass und Andreas Födinger am Schlagzeug, als Farewell Dear Ghost unterwegs und sorgt daheim wie auch international für Aufruhr.

Entdeckt habe ich Philipp Szalay durch ein Platoo-Montag-Konzert in der Scherbe Graz, das ich nicht besuchte. 2012 pilgerte ich fast jeden Montag in den  gemütlichen Konzertkeller, um Künstler und Künstlerinnen aus aller Welt hautnah mitzuerleben. Doch an diesem einen Abend war ich aus einem wahrscheinlich unwichtigen Grund verhindert. Ich las mir trotzdem einige Texte über seine Musik durch, schaute mir ein paar YouTube Videos an und „like“te ihn auf Facebook, wodurch ich dann später auch den Wechsel zu seinem Pseudonym mitverfolgte. Rückblickend wünsch ich mir, ich hätte damals alles liegen und stehen gelassen. Obwohl ich Farewell Dear Ghost bis heute (noch) nicht live erlebt habe, begeistert mich ihr lebhafter Sound.

Besonders in der Vielfalt der Lieder finde ich mich wieder. Philipp Szalays
Singer/Songwriter Einfluss aus früheren Tagen ist vor allem in der Struktur und dem inhaltlichen Aufbau der Lieder wiederzufinden und die Songtexte leuchten nur so von Poesie. Philipp Szalay scheut sich nicht, ehrliche, nahegehende Texte zu verfassen und die Lieder am Album mit farbigen Arrangements auszuschmücken. Auch wenn die erste und die letzte Nummer von We Colour The Night ohne Schlagzeug auskommen, bringt der Beat der Drums das ganze Album ins Rollen. Erinnert sich jemand an die geniale britische Indie- Rock-Band Bloc Party? (Die arbeiten übrigens gerade am fünften Album!!) Der Song Fire von Farewell Dear Ghost gibt mir ein vertrautes Gefühl und im Refrain erinnert mich der Beat und Drive an Lieder wie zum Beispiel Banquet von Bloc Party. Doch so ähnlich der Beat sein mag, bleiben Farewell Dear Ghost in keiner Weise bei einem simplen Indie-Rock-Sound. Große Chöre erklingen im Hintergrund und geben der Hauptstimme ihr tragendes Gewicht. Die vielseitigen Gitarreneffekte schaffen Raum und lassen an einen breiten Sound von Bands wie Arcade Fire, Arctic Monkeys oder The Thrills erinnern. Die vier Jungs von Farewell Dear Ghost holen aus ihren Instrumenten raus was geht. Im letzten Jahr haben sie über 50 Konzerte in vier verschiedenen Ländern gespielt und erst Anfang Mai kamen sie von einer eineinhalbwöchigen China-Tour zurück. Es mag sein, dass du die Band bereits in- und auswendig kennst oder schon ein paarmal auf FM4 gehört hast, oder vielleicht hörst du das erste Mal von ihnen.

Ganz egal. Fakt ist, ich könnte mir hier den Mund fusselig reden und meine Fingerkuppen blutig tippen, und doch spricht jede Musik am besten für sich selbst. Also übergebe ich das Ruder. Jetzt bist du dran: Lehn dich zurück, atme tief durch und genieße:

Philipp Szalay, danke, dass du eines Tages beschlossen hast, die Gitarre in die Hand zu nehmen und deinen Weg als Musiker anzutreten. Wo auch immer du hingehst, wir bleiben dran.

Merci beaucoup.

(Beitragsbild: Farewell Dear Ghost Facebookpage)


Klara

Tanzen. Schreien. Ruhen. Lachen. Genießen. Umarmen. Entdecken. Weinen. Verzweifeln. Beobachten. Reflektieren. Akzeptieren. Wahrnehmen. Lieben lernen. Leben nennen. Wieder erkennen. Von mir trennen. Farbe sehen. Seide spüren. Gemeinsam gehen. An den Händen führen. Sowas kommt raus, wenn ich nicht weiß was ich über mich schreiben soll, jedoch in Gedanken versinke und die Finger am Tastaturbrett laufen lasse. Hmm, für alle die damit gar nix anfangen können (manchmal mich selbst inkludiert) noch ein paar Hardfacts. Derzeitiges Lieblings-T-Shirt: blaues kurzärmliges Angry Birds T-Shirt Charakterzug: chaotischer Kopf, auf der ständigen Suche nach Ordnung Was ich machen würde, wenn ich viel Kohle hätt' und nicht so ein Ökofritzi wär: Wann immer ich will stundenlang mit einem fetten Geländewagen und lauter Musik durch Wald, Wiesen und Gatsch fahren. Was würd' ich tun, wenn du vor mir stehen würdest: Dich knuddeln.

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Kommentare

  1. oh wie schön! deine beschreibungen zu lesen ist ein genuss und macht die musik echt schmackhaft.
    Ich kannte farewell dear ghost schon und hatte sogar das Glück, sie mal im Parkhouse bei eine Acoustic Session Live zu sehen! Ein besonderes Erlebnis.
    Ich liebe es auch so über Musik zu schreiben, vor allem Konzertreviews haben es mir angetan! viel Spaß dabei! 🙂 Liebe Grüße, lucy

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