http://www.nuke.at/ Konzerte

Graz hat sich wieder ein Festival ergattert

Nachdem sich das Urban Art Forms Festival im letzten Jahr aus dem Großraum Graz
verabschiedet hat, dürfen die hier ansässigen Festivalbegeisterten aufatmen: Mit der
Neuauflage des Nuke Festivals finden am 29. August 2015 einige Größen der
deutschsprachigen Musikszene ihren Weg in die steirische Landeshauptstadt. Lohnt
sich der Abstecher zum Nuke? Absolut.
Der erste Blick auf das Plakat offenbart die Richtung, in die das Nuke geht: Das
Lineup umfasst ein Potpourri aus Rap, Rock/Indie, Reggae/Dancehall, verfeinert mit
elektronischen Klängen – eine breitgefächerte und abwechslungsreiche Mischung
also.

Seeed (Headliner)
Seeed führt die Headlinier-Liste beim Nuke an und bringt den einzigartigen Sound
nach Graz, der die Band in Deutschland und weit darüber hinaus so bekannt und
beliebt gemacht hat. Auf dem Programm stehen feinste Dancehall-Raggae-Klänge
gepaart mit einem Schuss Hip-Hop und eine wie gewohnt bombastische Live-Show.
Die darf man der elfköpfigen Band auch zutrauen, denn mit einer eigenen Brass-
Sektion, einem Haus-und-Hof-DJ und den drei Sängern lässt sich einiges auf die
Beine stellen.

Cro (Headliner)
Eigentlich macht er ja eine Mischung aus Rap und Pop, welche von Ihm selbst
“Raop” getauft wurde. Der Rapper mit der Pandamaske als Markenzeichen konnte
jedenfalls einen rasanten Senkrechtstart hinlegen und entwickelte sich in den
vergangenen Jahren zu einer echten Größe auf dem Gebiet des deutschen
Sprechgesangs. Wer in letzter Zeit das Radio aufdrehte und sich bei der
Sendersuche vom Mainstream mitreißen ließ, entkam nur schwer einem der Tracks
von Cro. Von etablierten Musikerkollegen schon als neue Stimme des Genres
gefeiert, wird Cro für einige der ausschlaggebende Grund sein, sich eine Karte fürs
Nuke Festival zu ergattern.

Parov Stelar (Headliner)
Das Trio der Headliner beim Nuke-Festival vervollständigt ein österreichischer
Landsmann. Der aus Linz stammende Marcus Füreder, der besser unter dem
Pseudonym Parov Stelar bekannt ist, startete seine musikalische Karriere in den
Neunzigern und um die Jahrtausendwende als DJ. Nach der Gründung eines
eigenen Labels gelang ihm 2004 der Durchbruch mit der EP KissKiss und dem
darauf folgenden Album Rough Cuts. Seine Musik, die von Kennern Nu Jazz
genannt wird, zeichnet sich durch swingige Electrobeats gepaart mit Jazzsamples
aus. Der Zwanzigerjahre-Vibe ist dabei nicht abzustreiten. Auf der ganzen Welt
unterwegs und bekannt wird Parov Stelar in Graz einen Zwischenstopp einlegen und
den Festivalbesuchern mit Unterstützung seiner Liveband ordentlich einheizen.
Dabei werden neben altbekannten Hits sicherlich auch neue Klänge des kürzlich
erschienenen Albums The Deamon Diaries zum Besten gegeben werden.

Bilderbuch
Kaum eine Band hat die österreichische Musiklandschaft in letzter Zeit so geprägt
und durchgerüttelt, wie es die vier Herrschaften von Bilderbuch getan haben.
Durchlief die Gruppe nach ihrer Gründung 2005 noch auf der Suche nach dem
eigenen Sound einige stilistische Phasen, zeigt sie sich mit dem neuesten Album
Schick Schock sicher wie nie, dem Wort “Austropop” eine neue Bedeutung
zukommen zu lassen. Bilderbuch ist Pop mit Rock- und Hip-Hop-Einflüssen,
manchmal poetisch, ab und zu auch mit dadaistisch anmutenden Texten und einer
Portion Selbstironie. Wer jetzt also wissen möchte, was hinter dem Tumult rund um
Bilderbuch steckt: Zum Nuke kommen!

Prinz Pi
Prinz Pi ist nur einer der zahlreichen Künstlernamen, unter denen Friedrich Kautz im
Laufe der Zeit aufgetreten ist. Auf dem in diesem Jahr erschienenen Album pp=mc²
nennt er sich beispielsweise Prinz Porno, ein Name, welchen der deutsche Rapper
seit 2005 zum ersten Mal wieder verwendet. Und wie ist die Musik? Sozialkritische
Texte mit einer Prise Rebellion und Nostalgie, untermalt von geradlinigen Beats.
Fans von etwas tiefsinnigerem Deutschrap kommen mit Prinz Pi auf ihre Kosten.

Mono & Nikitaman
Wenn man an das deutsch-österreichische Duo Mono & Nikitaman denkt, denkt man
an Reggae-Musik, die neueren Werke gehen in die Richtung Dancehall und Hip-Hop.
Monika Jaksch (Mono) stammt aus Linz, studierte Kunst und drehte den Hip-Hop-
Dokumentarfilm Paint the town blue, bevor sie den Reggae für sich entdeckte und als
DJ tätig war. Nick Tilstra (Nikitaman) war Perkussionist und wuchs in Düsseldorf auf.
Die beiden fanden zueinander, produzierten gemeinsam bislang vier Alben und sind
wahre Arbeitstiere, spielten sie seit der Gründung von Mono & Nikitaman doch
hunderte Shows. Auf eine solche kann man sich auch beim Nuke Festival freuen –
mit viel guter Laune und Rhythmen, bei denen man dem Tanzen nicht widerstehen
kann.

Wanda
Noch eine aufstrebende österreichische Band. Wanda gibt es erst seit 2012,
dennoch wurden die fünf Wiener schon mehrfach ausgezeichnet. Ihr Album Amore
erreichte Goldstatus in Österreich. Amore, nomen est omen. Als “Popmusik mit
Amore” bezeichnet die Band selbst ihren Stil. Und so handeln die Stücke von Liebe,
Sehnsucht, Verlangen und allem, was dazwischenliegt. Auch ist die Musik in ein
unverkennbar wienerisches Flair gehüllt. Nach so einem rasanten Aufstieg steht fest,
von Wanda wird man zukünftig noch so einiges hören.

Olympique
Kraftvoller, atmosphärischer Indie-Rock mit feinen Schlagzeugrhythmen, und dann
wieder ruhige gefühlvolle Passagen, mit Klavierbegleitung und der charakteristischen
Stimme von Sänger Fabian Woschnagg – Olympique ist vielseitig und puristisch. Sie
sind Freunde des Analogen und des Ehrlichen. Das Debutalbum der drei Salzburger
erschien im letzten Jahr und bietet feine englischsprachige Musik, die ins Ohr und
unter die Haut geht. Die Mozartstadt hat also durchaus mehr als die klassische Musik
zu bieten, an die man im ersten Moment denken mag.

Kayef
Wer ist Kayef? Die Bezeichnung “der deutsche Justin Bieber” huschte schon des
Öfteren durch mediale Berichte über den jungen Düsseldorfer. Ganz abwegig ist das
dabei nicht, erlangten doch beide hauptsächlich über YouTube ihren
Bekanntheitsgrad. Was das Musikalische angeht, gibt es da schon mehr Differenzen.
Kayef macht deutschsprachigen Rap mit Texten, die sich thematisch um das
Erwachsenwerden, Mädchen und den Umgang mit dem plötzlichen Ruhm drehen.
Unterlegt wird das Ganze teilweise von melancholischen Klaviermelodien und dem
Drumbeat aus der Dose. Kayef wird am Nuke Festival eher das jüngere Publikum
unter zwanzig ansprechen.

Wrap up
Okay, dass das Nuke Festival sowohl aus musikalischer Sicht, als auch vom Ausmaß
her jetzt nicht direkt mit dem Urban Art Forms Festival zu vergleichen ist, sollte klar
sein. Doch wird das Nuke mit einigen Leckerbissen aufwarten können und dürfte
auch für solche interessant sein, die großen Festivals eher aus dem Weg gehen. Ein
Vorteil von Festivals in dieser Größenordnung ist auch, dass man sich keine Sorgen
machen muss, einen Act zu verpassen, da es nur eine Bühne geben wird. Das alles
und die zentrale Lage machen einen Abstecher zum Nuke Festival sehr verlockend.
Und wir sind natürlich auch dort.

Details
Nuke Festival
Datum: 29.08.2015
Beginn: 12:30 Uhr
Ort: Messe Graz
Website: www.nuke.at


Bernd

Hallo, ich bin Bernd. Ich bin Rhythmus und Harmonie. Ich bin der Typ, der das ganze Album von vorne nach hinten abspielt, nur um diese eine Nummer zu hören. Der Typ, der sich spät nachts mit seinen Kopfhörern hinsetzt, alles um sich herum vergisst und sich von besagter Nummer völlig vereinnahmen lässt (und dann in einem Zustand der Euphorie über den Sinn des Lebens philosophiert). Auch bin ich der Typ, der alle Hebel in Bewegung setzt, nur um den Namen des Tracks zu finden, der bei genau 6 Minuten und 14 Sekunden im eben gesehenen Youtube-Video zu hören war. Meine Begeisterung für die Musik beschränkt sich aber nicht nur auf das Konsumieren, finde ich mich doch einige Male auch selbst auf der Bühne wieder - bevorzugt als Drummer. Was noch? Ich ess’ gern Cornflakes.

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